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[ 2026 ]
Reduzierte Linienzeichnung dreier unterschiedlich großer Kreise oder Ringe, der äußerste deutlich am größten, als Sinnbild für Scope 1, 2 und 3

Nachhaltigkeit

Carbon Footprint: warum die Lieferkette entscheidet, nicht der Firmenwagen

Andreas Römer · 05.08.2026 · 9 min

Eine Zahl, die nach Substanz klingt

„Unser Unternehmen ist klimaneutral.” „Wir haben unseren CO₂-Fußabdruck berechnet.” Solche Aussagen begegnen einem zunehmend, auch von Herstellern und Anbietern, mit denen man ein Projekt plant. Sie klingen nach Substanz. Ob sie welche haben, hängt aber an einer einzigen Frage: Was wurde überhaupt mitgerechnet?

Denn ein Unternehmens-Fußabdruck ist kein einzelner Wert, sondern setzt sich aus drei Bereichen zusammen – und diese drei sind extrem ungleich groß. Wer das nicht kennt, hält eine kleine, schnell ermittelte Zahl leicht für die ganze Wahrheit.

Die drei Bereiche: Scope 1, 2 und 3

Der internationale Standard teilt die Emissionen eines Unternehmens in drei sogenannte Scopes:

  • Scope 1 sind die direkten Emissionen aus eigenen Quellen – die eigene Heizung, die Firmenfahrzeuge, selbst erzeugte Energie.
  • Scope 2 sind die indirekten Emissionen aus zugekaufter Energie, also vor allem Strom.
  • Scope 3 ist alles Übrige, und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette: eingekaufte Materialien und Güter, Transport, Geschäftsreisen, das Pendeln der Mitarbeitenden, die Nutzung und das Lebensende der Produkte.

Der entscheidende Punkt: Bei Unternehmen, die physische Produkte herstellen oder handeln, liegt der mit Abstand größte Teil der Emissionen in Scope 3 – vor allem in den eingekauften Materialien und Vorprodukten. Die eigene Heizung und der Fuhrpark, also Scope 1 und 2, machen demgegenüber meist nur einen kleinen Bruchteil aus. Die Last sitzt in der Lieferkette, nicht im eigenen Haus.

Warum die schnelle Zahl meist zu kurz greift

Daraus folgt unmittelbar: Ein Fußabdruck, der nur Scope 1 und 2 abdeckt, sagt fast nichts über den tatsächlichen Klimaeffekt aus. Er ist schnell ermittelt – im Kern ein paar Rechnungen in eine Online-Maske – und sieht auf einer Folie gut aus. Aber er blendet genau den Bereich aus, in dem die eigentliche Wirkung steckt.

Ein belastbarer Unternehmens-Fußabdruck bezieht Scope 3 ein. Das ist deutlich aufwendiger, weil die Daten von vielen Lieferanten zusammengetragen werden müssen – und genau deshalb ist es ein gutes Unterscheidungsmerkmal: Wer Scope 3 ausweist, hat sich der eigentlichen Arbeit gestellt. Wer „klimaneutral” sagt und dabei nur Scope 1 und 2 meint, sagt weniger, als es klingt.

Zwei Stellen, an denen gern geschönt wird

Auch innerhalb einer Footprint-Rechnung gibt es Spielräume, die man kennen sollte.

Der erste betrifft den Strom. Man kann ihn auf zwei Arten ansetzen: standortbasiert (der reale Energiemix am Standort) oder marktbasiert (auf Basis der eingekauften Ökostromverträge). Die Methodik verlangt in der Regel die standortbasierte Betrachtung; die marktbasierte wird oft zusätzlich gezeigt, weil sie die Zahlen besser aussehen lässt. Beides ist legitim – aber es ist nicht dasselbe, und man sollte wissen, welche Variante man vor sich hat.

Der zweite betrifft die Bezugsgröße. Eine absolute Tonnenzahl sagt für sich genommen wenig. Normiert man sie pro Umsatz, verzerren Preisniveau und Marge das Bild. Aussagekräftiger ist die Emission pro Kilogramm Material – sie macht Produkte fair vergleichbar, unabhängig vom Preis.

Der Haken: ein Footprint ist ein Modell, kein Messwert

Damit zum unbequemen Kern. Ein Unternehmens-Fußabdruck ist eine Modellrechnung mit vielen Annahmen. Die Daten stammen zu großen Teilen von Lieferanten, die sie nur ungern oder unvollständig herausgeben; in der Praxis wird ein definierter Anteil der Einkaufsausgaben abgedeckt und der Rest über Annahmen, Branchendurchschnitte und Hochrechnungen geschätzt. Schon ein scheinbares Detail wie der Umrechnungsfaktor für Methan (nach aktuellem Stand rund 28–30 über hundert Jahre, je nach Methode) ist eine methodische Festlegung.

Für ein konkretes Projekt heißt das doppelt: Erstens bekommt man für ein einzelnes eingeplantes Produkt selten den vollständigen Hersteller-Footprint, sondern bestenfalls einzelne Kennzahlen. Zweitens ist auch eine vorhandene Zahl immer eine Näherung mit Unsicherheit. Die belastbare Haltung ist die gleiche wie überall in diesem Feld: bewerten, was offengelegt und drittgeprüft ist; den Rest transparent über Sekundärdaten und deklarierte Annahmen einordnen – und keine Genauigkeit behaupten, die die Datenlage nicht hergibt.

Was das für Ihr Projekt bedeutet

Wenn ein Hersteller oder Anbieter mit einer CO₂-Zahl oder dem Wort „klimaneutral” wirbt, ist die nützlichste Reaktion nicht Misstrauen, sondern eine Frage: Was ist mitgerechnet – nur das eigene Haus oder auch die Lieferkette? Standort- oder marktbasiert? Und worauf bezogen? Erst die Antworten machen aus einer Zahl eine Aussage.

Genau hier unterstützen wir Sie: Wenn Sie Anbieter oder Produkte für ein Projekt vergleichen, ordnen wir deren CO₂-Angaben ein – was sie abdecken, wie sie gerechnet sind und was sich daraus seriös ableiten lässt. So vergleichen Sie am Ende Substanz statt Schlagworte.

Wenn Sie für ein Projekt wissen wollen, welche Klima-Angaben Ihrer Anbieter tatsächlich tragen, sprechen Sie uns an.

[ über den autor ]
Andreas Römer, Gründer von wørkstudio+

Andreas Römer – Gründer

Andreas Römer begleitet seit über 25 Jahren Projekte in der Möbel- und Objekteinrichtungsbranche – vom Designmöbel-Vertrieb (u. a. als Sales Manager bei Fritz Hansen) bis zum Objektgeschäft mit Büro- und Hotelprojekten. Seine fachlichen Schwerpunkte sind Raumakustik und Nachhaltigkeit. Staatlich geprüfter Betriebswirt der Fachrichtung Möbelhandel.

Mehr über wørkstudio++

Was steckt wirklich hinter der CO₂-Zahl eines Anbieters?

Wir helfen Ihnen einzuordnen, was ein Footprint abdeckt – und was er ausblendet.

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wørkstudio+ ist Fachhandel für Objekteinrichtung mit Beratungs- und Planungsanspruch im Rhein-Main-Gebiet. Wir gestalten Arbeitswelten, Büros und Objektflächen – von der Bedarfsanalyse über die Raumplanung bis zur schlüsselfertigen Einrichtung. Für Unternehmen, die ihre Räume als Ausdruck ihrer Haltung verstehen.

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