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[ 2026 ]
Line-Art-Zeichnung: Eine Person telefoniert am Rand eines Großraumbüros, dahinter Reihen leerer Schreibtische.

Arbeitswelt

Raum folgt Organisation - warum New Work nicht bei der Möblierung beginnt

Andreas Römer · 24.09.2026 · 4 min

Ein Bild, das sich in vielen neuen Büros wiederholt: Die Fläche ist offen und hell, die Tische sind gut, die Akustikdecke hängt. Alles wurde so umgesetzt, wie es geplant war. Und trotzdem steht einige Wochen nach dem Umzug jemand im Flur neben dem Drucker und telefoniert, eine zweite Person sitzt dafür im Treppenhaus, eine dritte geht für den Videocall ins Auto.

In über 25 Jahren in der Einrichtungsbranche habe ich viele Büros kurz nach dem Bezug gesehen. Das Telefonieren im Flur gehört zu den Bildern, die mir dabei immer wieder begegnet sind, unabhängig von Branche und Unternehmensgröße.

Niemand hat hier etwas falsch gemacht, zumindest nicht bei den Möbeln. Gefehlt hat eine Frage, die ganz am Anfang hätte stehen müssen.

Der Flur zeigt, was nicht gefragt wurde

Menschen suchen sich die Orte, die ihre Arbeit braucht. Gibt es sie nicht, weichen sie aus. Der Flur, der zur Telefonzelle wird, ist deshalb kein Disziplinproblem. Er ist ein ziemlich genaues Messinstrument dafür, welcher Teil der Arbeit in der Planung nicht vorkam.

In diesem Fall ist es das Telefonieren. Wie viele Gespräche führt ein Team am Tag, wie viele davon als Videocall, wie viele mit vertraulichem Inhalt? Solche Zahlen lassen sich vorher erheben. Sie stehen aber selten in einem Raumprogramm, weil das Raumprogramm meist mit Köpfen und Quadratmetern beginnt.

Die Frage kommt oft zu spät

Der typische Ablauf sieht so aus: Die Fläche ist gefunden, der Grundriss abgestimmt, und dann werden Arbeitsplätze hineingeplant. Wenn die Frage nach der Arbeit überhaupt gestellt wird, geht es zu diesem Zeitpunkt nur noch um die Produktauswahl. Welcher Tisch, welcher Stuhl, welche Leuchte.

Das ist die teuerste Stelle, um festzustellen, dass etwas fehlt. Die naheliegende Reaktion ist dann, nachzukaufen: ein, zwei Phonebooths, ein paar Akustikelemente. Das lindert das Symptom. Die Ursache bleibt, weil die Fläche von Anfang an für eine andere Arbeitsweise angelegt wurde als die, die dort tatsächlich stattfindet.

Was vorher geklärt sein sollte

Bevor ein Grundriss belegt wird, lohnt der Blick auf die Organisation selbst. Wer arbeitet eng mit wem zusammen und muss deshalb nah beieinandersitzen? Wie verteilt sich die Anwesenheit über die Woche, und wie sieht ein voller Tag im Vergleich zu einem ruhigen aus? Welcher Anteil der Arbeit ist konzentriert und allein, welcher im Austausch, welcher am Telefon oder in Videokonferenzen?

Aus den Antworten ergibt sich ein Zielbild. Erst daraus folgt, welche Orte eine Fläche braucht und in welchem Verhältnis. Ein Büro, in dem die Hälfte der Zeit telefoniert wird, braucht andere Räume als eines, in dem vor allem an Dokumenten gearbeitet wird, auch wenn beide gleich viele Mitarbeitende haben.

Möbel sind der letzte Schritt

New Work wird gern über Einrichtung erzählt: Lounges, Sitzstufen, flexible Tische. Diese Elemente können gut funktionieren. Sie funktionieren aber nur dort, wo sie eine Arbeitsweise unterstützen, die es in der Organisation schon gibt. Wer die Arbeit nicht plant, bekommt sie im Flur zurück.

Für uns bei wørkstudio+ steht deshalb die Arbeit am Anfang und die Produktauswahl am Ende. Die Auswahl ist wichtig und wir nehmen sie ernst, sie ist aber das Ergebnis einer Reihe von Entscheidungen, die vorher getroffen werden.

Wenn Sie eine neue Fläche planen oder merken, dass Ihr Büro im Alltag anders genutzt wird als gedacht, sprechen Sie uns an. Der erste Schritt ist ein Gespräch über Ihre Arbeit.

[ über den autor ]
Andreas Römer, Gründer von wørkstudio+

Andreas Römer – Gründer

Andreas Römer begleitet seit über 25 Jahren Projekte in der Möbel- und Objekteinrichtungsbranche – vom Designmöbel-Vertrieb (u. a. als Sales Manager bei Fritz Hansen) bis zum Objektgeschäft mit Büro- und Hotelprojekten. Seine fachlichen Schwerpunkte sind Raumakustik und Nachhaltigkeit. Staatlich geprüfter Betriebswirt der Fachrichtung Möbelhandel.

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wørkstudio+ ist Fachhandel für Objekteinrichtung mit Beratungs- und Planungsanspruch im Rhein-Main-Gebiet. Wir gestalten Arbeitswelten, Büros und Objektflächen – von der Bedarfsanalyse über die Raumplanung bis zur schlüsselfertigen Einrichtung. Für Unternehmen, die ihre Räume als Ausdruck ihrer Haltung verstehen.

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