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[ 2026 ]
Reduzierte Linienzeichnung: Zwei Personen an einem Besprechungstisch betrachten ein Datenblatt, daneben steht ein Bürostuhl, an dem ein kleines Etikett hängt

Ergonomie

Prüfzeichen und Siegel richtig lesen

Andreas Römer · 22.10.2026 · 5 min

Im Angebot steht neben dem Bürostuhl eine kleine Reihe von Zeichen: GS, Quality Office, AGR, vielleicht noch der Blaue Engel. Für die Freigabe reicht das meistens. Was die einzelnen Zeichen eigentlich zusagen, fragt kaum jemand nach.

Dabei prüfen sie sehr Unterschiedliches. Ein Stuhl kann sicher sein und trotzdem schlecht einstellbar. Er kann emissionsarm sein und nach drei Jahren durchgesessen. Wer die Zeichen auseinanderhalten kann, weiß, was er kauft.

CE: Pflicht, aber nicht für jedes Möbel

Klassische Büromöbel tragen in der Regel kein CE-Zeichen, weil es für sie keine europäische Vorschrift gibt, die es verlangt. Anders ist es bei elektrisch höhenverstellbaren Tischen. Sie fallen unter die Maschinenrichtlinie, ab dem 20. Januar 2027 unter die neue Maschinenverordnung, dazu unter die Vorschriften zur elektromagnetischen Verträglichkeit, und müssen deshalb CE-gekennzeichnet sein.

Wichtig ist, was das Zeichen bedeutet. Mit CE erklärt der Hersteller selbst, dass sein Produkt die einschlägigen Vorschriften erfüllt. In der Regel, so auch bei elektrisch höhenverstellbaren Tischen, ist damit keine Prüfung durch eine unabhängige Stelle verbunden.

GS: geprüfte Sicherheit, nicht mehr

Das GS-Zeichen steht für „geprüfte Sicherheit“ und ist im Produktsicherheitsgesetz geregelt. Es ist freiwillig. Vergeben wird es von einer befugten GS-Stelle, die ein Baumuster auf Sicherheit und Gesundheit prüft, die Fertigung kontrolliert und die Serie laufend überwacht. Die Zuerkennung gilt höchstens fünf Jahre.

Das GS-Zeichen sagt damit etwas Wichtiges: Der Stuhl kippt nicht, die Gasfeder ist sicher, nichts quetscht die Finger. Ergonomie und Bequemlichkeit stehen dabei nicht im Mittelpunkt.

Praktisch lohnt ein Blick auf das Zertifikat selbst. Gilt es für genau das Modell und die Ausführung im Angebot? Und ist es noch gültig?

Reduzierte Linienzeichnung: Ein Bürostuhl mit einem kleinen Etikett an der Armlehne, eine Hand hält eine Lupe darauf

Norm ohne Zeichen

Häufig steht im Datenblatt „geprüft nach DIN EN 1335“ für Bürostühle oder „nach DIN EN 527“ für Büroarbeitstische. Das ist zunächst eine Angabe des Herstellers. Belastbar wird sie erst mit dem Prüfbericht: Welches Institut hat geprüft, wann, und nach welcher Ausgabe der Norm? Die DIN EN 1335-1 etwa liegt aktuell in der Ausgabe vom Juli 2023 vor.

Quality Office und AGR: Qualität und Ergonomie

Quality Office ist ein Qualitätszeichen, getragen vom Qualitätsforum Büroeinrichtungen beim Industrieverband Büro und Arbeitswelt (IBA). Grundlage ist die Leitlinie L-Q 2022, die Institutionen aus der Bürowelt und dem Arbeitsschutz gemeinsam erarbeitet haben. Das GS-Zeichen ist Voraussetzung, dazu kommen Anforderungen an Ergonomie, Funktionalität, Flexibilität, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Damit geht Quality Office deutlich weiter als GS. Neben Produkten zertifiziert das Programm auch Fachberater als Quality Office Consultants.

Das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) bewertet, ob ein Produkt rückengerecht ist. Geprüft wird von einer Kommission aus Ärzten und Therapeuten zweier Fachverbände. Der Hersteller muss belegen, dass das Produkt den Rücken tatsächlich unterstützt. Wer genauer wissen will, worauf sich das Siegel beim konkreten Modell stützt, fragt nach den Prüfunterlagen.

Beide Zeichen sagen etwas über Qualität und Ergonomie des Produkts. Ob der Stuhl zu den Menschen passt, die darauf sitzen werden, sagen sie nicht. Das ist eine Frage der Planung, wie wir im Beitrag „Der Durchschnittsmensch existiert nicht“ beschrieben haben.

Blauer Engel: Raumluft und Umwelt

Der Blaue Engel ist das Umweltzeichen des Bundes. Für Büromöbel sind vor allem zwei Vergabegrundlagen relevant: DE-UZ 38 für Möbel aus Holz und Holzwerkstoffen und DE-UZ 117 für Polstermöbel, die ausdrücklich auch gepolsterte Bürostühle umfasst. Im Mittelpunkt stehen Emissionen und Schadstoffe. Beide Vergabegrundlagen verlangen unter anderem eine Emissionsprüfung in der Prüfkammer und dass für Verschleißteile mindestens fünf Jahre Ersatz verfügbar ist.

Welche weiteren Umweltzeichen es gibt und was sie jeweils prüfen, haben wir im Beitrag „Welches Siegel braucht Ihr Projekt wirklich?“ zusammengestellt. Seit dem 27. September 2026 sind gegenüber Verbrauchern außerdem nur noch Nachhaltigkeitssiegel erlaubt, die auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder von staatlichen Stellen festgesetzt sind. Was das für die Kommunikation bedeutet, steht im Beitrag „Glaubwürdig über Nachhaltigkeit sprechen“.

Vier Fragen an jedes Zeichen

Wer vergibt das Zeichen, der Hersteller selbst oder eine unabhängige Stelle? Was genau wird geprüft? Gilt es für das konkrete Modell im Angebot? Und bis wann ist es gültig?

Mit diesen vier Fragen lässt sich fast jedes Zeichen einordnen. In öffentlichen Ausschreibungen hilft das doppelt, denn dort müssen Auftraggeber oberhalb der EU-Schwellenwerte nach § 34 der Vergabeverordnung auch gleichwertige Gütezeichen akzeptieren, wenn ein Produkt das geforderte nicht trägt.

Wenn Sie wissen wollen, was die Zeichen in Ihrem Angebot tatsächlich belegen, sprechen Sie uns an.

[ über den autor ]
Andreas Römer, Gründer von wørkstudio+

Andreas Römer – Gründer

Andreas Römer begleitet seit über 25 Jahren Projekte in der Möbel- und Objekteinrichtungsbranche – vom Designmöbel-Vertrieb (u. a. als Sales Manager bei Fritz Hansen) bis zum Objektgeschäft mit Büro- und Hotelprojekten. Seine fachlichen Schwerpunkte sind Raumakustik und Nachhaltigkeit. Staatlich geprüfter Betriebswirt der Fachrichtung Möbelhandel.

Mehr über wørkstudio+

Wissen Sie, was die Zeichen in Ihrem Angebot zusagen?

Wir lesen die Nachweise der Produkte, die Sie in Betracht ziehen, und sagen Ihnen, welches Zeichen was belegt und wo etwas fehlt.

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wørkstudio+ ist Fachhandel für Objekteinrichtung mit Beratungs- und Planungsanspruch im Rhein-Main-Gebiet. Wir gestalten Arbeitswelten, Büros und Objektflächen – von der Bedarfsanalyse über die Raumplanung bis zur schlüsselfertigen Einrichtung. Für Unternehmen, die ihre Räume als Ausdruck ihrer Haltung verstehen.

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